Erheben wir unsere Stimme

Ich möchte nicht verurteilen oder beurteilen. Nicht Recht schaffend sein.

Nein, es ist wahrhaftig nicht zu entschuldigen, was mein Vater mir als Kleinkind angetan hat, mir in dem Alter meine Jungfräulichkeit zu nehmen, ohne, dass ich mich wehren konnte. So klein, dass es noch nicht mal Worte für mich gab, mich mitzuteilen. Und es ist wahrhaftig auch nicht zu entschuldigen, dass sein Vater, mein Großvater, mich als wenige Wochen altes Baby oral missbraucht hat und mir damit meine Stimme genommen hat. Auch Männer in meinem Kindesalter, Jugendalter und auch Erwachsenenalter haben mir dahingehend Erfahrungen mit gegeben.

Ich nenne es Erfahrungen, weil es diese waren. Als Beobachterin meines Lebens kann ich sagen, dass ich in die Welt hinaus tragen möchte, dass das alles Chancen sind um zu wachsen. Sogar über uns hinaus zu wachsen. Uns dabei selbst zu finden.

Ich tauchte in alte Leben ein, in denen mir durch sexuellen Missbrauch ebenso meine Weiblichkeit genommen wurden. Auch in meinen Ahnenreihen waren das vorherrschende Themen.

Was geschehen ist, ist geschehen. Nur was ließ ich dadurch entstehen?

Das Wichtigste und Wertvollste daran war, mich zu erinnern, es zu fühlen und sein zu lassen.
Jeder Schmerz, jede Erfahrung dahingehend möchte wertgeschätzt werden. In Liebe in den Arm genommen und somit in Heilung gehen können.

Für all das was sich mir offenbarte, gibt es keine Beweise. Das war nicht in meinem Bewusstsein. Abgespalten. Niemand hat mir davon erzählt. Es spazierte aus meinen Zellen. Seelisch wie körperlich durfte ich alles noch einmal erfahren. Erstmal erkennen, was all diese Facetten des Schmerzes, der Angst zu bedeuten haben.

Ich weinte die Tränen meines längst verstorbenen Großvaters, den ich vor seinem Tod, bis auf auf meine ersten Lebenswochen, nie kennengelernt habe. Die Tränen seiner Verzweiflung darüber, was er neben mir, seiner Frau, seinen Söhnen, meinem Vater angetan hat. So konnte ich auch den kindlichen Schmerz meines Vaters spüren. Einen Schmerz, mit dem er nicht anders umgehen konnte. Wie gesagt, es ist nicht zu entschuldigen, aber ich konnte mit meiner Seele in Verbindung mit deren Seelen Vergebung erfahren. Durch Mitgefühl und Liebe. Das war letztendlich die Heilung meines Seelenschmerzes.

Für mich stellt sich die Schwierigkeit, wie gehe ich mit dem Thema raus – ohne zu verurteilen, ohne rechtsschaffend zu wirken – und trotzdem Mut zu machen, dass wir mit unserer eigenen Wahrheit raus gehen dürfen. Das mit unserer eigenen Stimme.

Mit diesem Thema habe ich in mir viele Türen aufgemacht, die wir in gewisser Weise alle in uns tragen. Ich durfte sogar spüren, wie es sich für mich als Säugling im Bauch meiner Mutter angefühlt hat, nicht willkommen zu sein. Es ist so unbeschreiblich traurig, nicht willkommen geheißen zu werden. Meine Mutter wusste von den sexuellen Missbräuchen an mir. Ich durfte dadurch den Schmerz heilen, dass sie mich nicht beschützt hat. Aus welchem Grund auch immer sie das nicht konnte. Ich durfte das mit ihr heilen  – auf einer feinstofflichen Ebene. Denn sie lebt schon seit ca 20 Jahren nicht mehr. Sie war und ist immer bei mir und unterstützt mich bei meinen Prozessen. Beschützt mich dabei. Führt mich. Liebt mich. So gehen wir heute gemeinsame Wege auf einer sehr besonderen Art und Weise. Ich bin ihr unendlich dankbar und meine Liebe zu ihr ist unermesslich.

Ich weiß, was es heißt, einen verlorenen Zwilling zu haben, der noch im Mutterbauch verstorben ist. Schulter an Schulter..neben mir. Ich habe ihn Jonas genannt. Er steht nun immer rechts hinter mir. Er hat mir geholfen, eine ganz besondere Sehnsucht, Trauer und Einsamkeit zu erfahren und zu heilen.

Es gibt noch so vieles was in den letzten 2-3 Jahren in Heilung gehen konnte, was mir meine Seele offenbart hat.
Ich möchte hinaus tragen, dass wir über all das sprechen dürfen. Wir uns groß machen dürfen. Aufstehen und nach vorne gehen. Unsere Stimme entdecken. Unsere eigene liebende Macht erfahren und leben.
Dazu heißt es es, zu uns zu stehen und anzunehmen, was uns das Leben an Erfahrungen schenkt. Dazu sind wir hier auf Mutter Erde. In der Zeit diesen großen Wandels. Als Pioniere. Als großartige lichtvolle liebende Wesen. Wir sind durch viele Schulen der unendlich vielen Leben gegangen um zu lernen und jetzt vielleicht zu lehren und zu führen, damit Heilung im Kollektiv entstehen kann.

Letztendlich spiegelt mein Prozess, mein Thema das weltliche, kollektive Thema der Macht und Ohnmacht wieder. Wir Seelen haben uns irgendwann dazu entschieden, in diese Dualität einzutauchen. Damit haben wir auf einer gewisse Art und Weise von uns selbst getrennt. Das zu erkennen und die vermeintliche Trennung von unserem göttlichen Funken war der schlimmste tiefgehendste Schmerz, den ich erfahren habe. Eine unfassbare Sehnsucht. Dieser Schmerz war für mich kaum aushaltbar .. ich wollte sterben. Weinte ganze Bäche. Ich wollte unbedingt nach Hause. Wo immer das war. Erst als ich verstand, das dies mein Ur-Schmerz ist und ich längst auf dem Weg war, wieder Eins zu werden mit meinem wahren Selbst und folglich mit allem, was mich umgibt, erfuhr ich Trost.

Ich bin verbunden mit allem. Ich bin göttlich. Einer der unzähligen Funken Gottes.

Es ist das Bild der momentanen Zeit. Die Macht, die versuchte über so lange Zeit zu unterdrücken. Das Weibliche klein zu halten – denn SIE ist die wahre Macht – die liebende nährende Macht und Kraft. Unsere Schöpferkraft .. die wahre Liebe. Nichts kann größer sein, nichts ist größer.

Jeder steht mit irgendeiner Geschichte in dieser Zeit. Nur wo genau?

Es gibt keinen Beweis dafür, was sich mir zeigte, aber ebenso wie es DEN Beweis für das Göttliche, das Universum, die Engel, die Geist- und Naturwesen und sonstige Energien nicht gibt. Wir dürfen unserer eigenen inneren Stimme folgen. Sie spricht einzig allein unsere eigene Wahrheit. Dafür heisst es in uns einzutauchen und auch dem zu lauschen, was sie uns sagen und zeigen möchte. Vertrauen wir unserer eigenen Stimme und gehen wir damit nach Außen.

Damit heile ich nicht nur mich selbst, sondern auch meine alten Leben, die meiner Ahnen. Ich kann den Weg der Heilung auch ins Kollektiv schicken. Denn es ist wie eine Bibliothek, die mit Wissensbüchern gefüllt wird, damit Andere eins dieser Bücher in die Hand nehmen können, um darin zu lesen und für sich zu erkennen und zu lernen.

Dabei kommt mir meine Geschichte nicht mal besonders vor. Jede Seele hier trägt irgendeine Geschichte dieser Macht und Ohnmacht .. des Machtmissbrauchs in sich. Denn es ist ein Teil der Dualität hier auf Erden.

Wenn wir das alles mit Abstand als Beobachter mit einem liebenden Blick betrachten können, geschieht wahre Vergebung, wahres Mitgefühl, wahre bedingungslose Liebe – und das heilt auf allen Ebenen unseres Seins.

Wir dürfen darüber reden! Erheben wir unsere Stimme!

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