WUT

Was hat es nur mit dieser Wut auf sich, die nicht gelebt werden darf? Sie ist zur Zeit für mich im kollektiven Feld sehr stark spürbar.

Was ist der Grund, dass Wut für so viele nicht sein darf? So viele nicht damit umgehen können? Egal, ob bei sich selbst oder auch, wenn sie einem begegnet .. entgegentritt.

Was ist das nur, dass Wut nicht gelebt werden darf? Wir verurteilt werden, wenn sich diese zeigt? Warum erlauben wir uns selbst nicht, wütend zu sein?

Sogar mein Hund wird in seiner Wut anderen Hunden gegenüber gebremst. Darf nicht bellen.. „So ein süßer Hund und so aggressiv!“ WHAT !!??

Auf der Erde war und ist nun mal nicht alles Licht und Liebe. Nicht falsch verstehen .. das brauchen wir unbedingt, damit im Kollektiv, auf Mutter Erde Heilung geschehen darf. 

Traurigkeit, Trauer, Verzweiflung, Hoffnungslosigkeit.. und mehr .. da sind wir im tiefen Mitgefühl .. aber Wut .. damit können wir schwer umgehen. Wir glauben, auf einen verletzenden Frontalangriff gehen zu müssen, wenn andere ihre Wut zeigen. Wir verurteilen uns selbst, wenn wir Wut fühlen. Schlucken diese Wut immer und immer wieder runter. 

Wut macht uns Angst!

Dabei ist das eine Emotion wie auch andere. Eine tiefe Verletzung. 

Während meines Prozesses habe ich auf den Boxsack eingeschlagen, kontrolliert in den Therapiestunden in Kissen gedonnert, im Auto oder draußen im Sturm vor Wut meine Stimme heiser geschrien. Auf dem Laufband in Gedanken den Männern, die mich unterdrückt haben, alles Mögliche angetan. Das war durchaus wichtig, die Wut kontrolliert nach Außen zu lenken.

Habe mich früher oft schwer selbst verletzt. Bis hin zum Suizidversuch. Mit einem Skalpell nicht nur geritzt, sondern ich habe versucht, mir die Pulsadern aufzuschlitzen und am Hals die Halsschlagader zu durchtrennen. Schlug meinen Kopf gegen Wände und Wachbecken, bis ich mit Schürfwunden und Gehirnerschütterung im Krankenhaus lag. Schlimmste Beschimpfungen und Bilder der Selbstzerstörung in meinem Kopf. 

Das hat eine unterdrückte Wut und Angst mit mir gemacht. Ich war damit komplett überfordert.

Ich neigte dazu, dies gegen mich selbst zu richten, weil ich andere in meiner mitfühlenden Art nicht verletzen wollte. Ein Amoklauf gegen mich selbst. So wie es Menschen gibt, die Amok gegen andere laufen.

Warum treten wir diese Emotion so sehr mit Füßen? Auch sie möchte liebevoll angenommen werden. Möchte nicht verurteilt werden. 

Ich glaube, das ist die Emotion, die am wenigsten beachtet wird. Schon als Kind „darf man nicht wütend sein“. 

Wir kennen die Sätze „Hör auf, mit dem Fuß auf den Boden zu stampfen!“ .. „Wehe ich höre noch einen wütenden Laut von dir!“ .. „Du wirst mich nie wieder anschreien, sonst …!!“ .. „Du wirst jetzt nicht einfach den Raum verlassen, sondern setzt dich ruhig hier hin, bis du dich beruhigt hast!“ .. „Du kannst dich jetzt auf die stille Treppe setzen und darüber nachdenken!“ .. oder oder oder ..

Den Kindern wird doch meist nicht gezeigt, was Wut überhaupt ist und wie sie mit ihrer Wut umgehen können. Ja, wir Erwachsenen haben es auch nicht gelernt, aber wir können es lernen. Wir sind ja schon groß und eben erwachsen. Man könnte mit den eigenen oder inneren Kindern in den Keller gehen und Kartons zerstampfen. Ab mit der Wut-Energie in den Boden! Vielleicht auch in den Wald und kurz mal raus brüllen. Natürlich alles „kontrolliert“. Mit ihnen atmen lernen. Damit komme ich zu dem, wie ich versuchte, meine versteckte Wut fließen zu lassen. In diesen Tagen durfte ich da bewusst nochmal hin.

Wut darf sein. Wütend sein, richtet uns auf. Stärkt die Brust. Füllt den HerzensRaum mit Leben. Ja, das ist Lebensenergie! Zeigt uns wichtige Grenzen auf. Macht uns mutig und stark. Raus aus dem Opferdasein. Aber bitte achtsam!

Wut hat eine so unbändige Kraft, die transformiert werden kann. Über den HerzensRaum. In Mut .. in eine echte HerzensStärke, die uns weiter bringt auf unserem Weg. 

Diese versteckte Wut möchte eben auch heraus und sich zeigen. Dafür ist es aber wichtig, mit beiden Füßen auf dem Boden zu stehen und im Herzen zentriert zu sein. In der Balance. Im Vertrauen.

Kopfschmerzen sind oft so eine versteckte Wut, die uns von der Leber hoch in Schädel steigt. Der Bluthochdruck. Wenn wir uns das bildlich vorstellen .. wie ein Dampfdruckkessel kurz vor dem Explodieren. Also beobachten wir uns mal selbst .. und dann versuchen diese Energie nach unten zu atmen .. zu leiten.

Also bevor wir diese Emotion weiter schlucken oder unkontrolliert raus donnern, lieber achtsam und kraftvoll transformieren. So können wir Aggressionen vermeiden lernen. Gewaltfrei. Eine Gewalt, die oft missbraucht wird. Das wütende innere Kind, das nichts mehr kontrollieren kann und in einen Machtmissbrauch taumelt.

Eine transformierte Wut kann sich dann endlich verabschieden. So wichtig für den Frieden, den wir so sehr in uns selbst suchen und für die Welt wünschen. Aber wenn wir diese unterdrückte Wut noch in uns tragen, wie können wir Frieden teilen?

Da das echt herausfordernd sein kann, können wir uns auch einen Therapeuten suchen, einen Coach, Trainer .. Menschen, die uns bei diesem Prozess Anleitung und Unterstützung schenken können.

 

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